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Ausflug ans Meer


Meerweh: Tagesausflug nach Zushi & Kamakura


🎶

Wir gehen mit Sand

in den Schuhen

und Salz

auf der Haut

und Wind

in den Haaren

nach Haus.

🎶

(Philipp Poisel: Im Garten von Gettis)


Eigentlich hatten wir vor, in den ersten Wochen in Japan ein paar Ausflüge außerhalb Tokyos zu machen, aber das ist gar nicht so einfach.

Die meisten Städte (z.B. Kyoto) lohnen sich nicht für nur einen Tag und für einen Trip mit Übernachtung hatten wir dann doch nicht die Zeit und Muße gefunden, weil immer irgendwelche Termine anstanden. Und in Tokyo gab es (und gibt es immer noch) auch so viel zu entdecken ... Jetzt wo Uli arbeitet, wird es natürlich auch nicht leichter mit dem Reisen, aber ein Wochenendtrip ist für die nächstbeste Gelegenheit geplant!

 

Eines Tagesausflug haben wir uns dann aber doch gegönnt und sind ans Meer gefahren!

 

Das Meer versetzt einen ja immer eine besonders magische Stimmung. Und eigentlich wollten wir auch am liebsten in ein Land ziehen, das am Meer liegt. In den Auswanderer-Fernsehsendungen gibt es (neben den ganzen Spinnern) immer ein paar Leute, die für ihren Traum im Ausland sehr hart arbeiten, oft mehr als sie es in Deutschland tun mussten, und mit verschiedenen Sorgen und Problemen kämpfen. Aber oft sagen genau diese Leute, dass es ihnen das alles wert ist, wenn sie dafür jeden morgen dort aufwachen können, wo andere Urlaub machen – dass ein Spaziergang am Meer, die Sonne auf der Haut oder der Sprung in die Wellen alle Mühen entschädigt.

 

Wenn es danach ginge, hätten wir uns bei unserer Entscheidung, ins Ausland zu ziehen, wohl besser Kalifornien auswählen sollen, aber andererseits: Japan ist eine Insel, besser gesagt ein Inselstaat mit 6.852 Inseln! Also Meer sollte es hier genug geben, nur dass man beim Leben in Tokyo nicht automatisch an Strandurlaub denkt.


Für unserer ersten Ausflug außerhalb Tokyos entschieden wir uns also (inspiriert von meinem Vorabexemplar des Vis-à-Vis Japan, danke @DK Verlag), ans Meer zu fahren – in das Örtchen Kamakura (mit der Bahn ca. 1 Stunde von Tokyo entfernt), wo es auch kulturell ein bisschen was zu entdecken gibt und die Umgebung zum Wandern (bzw. Flanieren) einlädt.

Um das Wandererlebnis zu steigern, verpassten wir unseren Ausstieg am Bahnhof Kamakura und fuhren aus Versehen eine Station weiter nach Zushi.

 

Im Nachhinein was das aber ein perfekter Wink des Schicksals, weil wir von dort aus eine kleine Wanderung nach Kamakura unternehmen konnten.

 

Unser Spaziergang führte uns vom Strand in Zushi über den Hiroyama Park und den Osaki Park nach Kamakura.

Zwischendurch konnten wir immer wieder einen herrlichen Blick auf das Meer genießen und ab und zu schaute auch der Fuji zwischen den Wolken hervor.

Mittlerweile kann ich die gottes-ähnliche Verehrung des Fuji durch die Japaner nachvollziehen: Er hat einfach etwas Magisches an sich! Als wir oben auf dem Tokyo Tower standen, kam eine Schulklasse um die Ecke, rannte zu der Seite, von der aus man den Fuji sehen konnte, und rief voller Begeisterung: "Fuji-san! Fuji-san!"

 

Die Vulkan-Form des Berges, gepaart mit dem unverwechselbaren Schneekranz – das Motiv kann man immer eindeutig als Fuji identifizieren, sei es noch so einfach und stilisiert dargestellt. Oft wolken-verhangen, lässt er sich nicht immer blicken, umso schöner dann, wenn man ihn zu Gesicht bekommt!


Unterwegs in Kamakura

Die Stadt Kamakura (jap. 鎌倉 = "Sichel" + "Lager") spielte in der Geschichte Japans keine unbedeutende Rolle, von 1192-1333 war sie Japans Machtzentrum. 

 

Im Stadtkern angekommen, besichtigten wir den Daibutsu (jap. 大仏 = "Groß" + "Buddha"). Über 13 Meter ist er groß und (überraschenderweise?) innen hohl (oder sind das andere Buddha-Statuen auch?), sodass man ihn an der Seite betreten und von innen betrachten kann.

Spannend ist auch, dass die Buddha-Statue bis 1498 in einer Halle stand, die zusammen mit einem Tempel von einem Tsunami zerstört wurde. Seitdem steht die Statue im Freien. Während man den Buddha betrachtet, kann man sich ganz gut vorstellen, wie das Holz und Gestein um ihn herum weggespült werden, aber der Buddha selbst mit seinem gnädigen, geduldigen Blick zwar vom Wasser umspielt wird, es ihm aber nichts antun kann und er standhaft bleibt und den Wellen trotzt.

Anschließend besuchten wir noch den Zeniarai-Benten-Schrein (Benten ist die Göttin der Musik und Eloquenz). In einer Grotte kann man an einer kleinen Quelle Geld waschen. Das soll Glück bringen und der Wert des Geldes soll sich danach verdoppeln.

 

Glück kann man immer gebrauchen, so wuschen auch wir fleißig ein paar Münzen, wobei die Japaner um uns herum ganze Stapel von Geldscheinen in ihre Schälchen packten (es gab verschiedene Größen von Schalen). Das wäre uns dann doch zu mühselig gewesen, die Scheine wieder zu trocknen. Auch wenn wir so erstmal nicht reich werden ... 


Das Highlight des Tages war dann aber doch das Meer:

Dieses unbeschreibliche Gefühl, auf Sand zu gehen, während einem die Wintersonne ins Gesicht strahlt, der Wind den Salzgeruch vom Meer herüberweht und die Wellen gleichmäßig auf dem Strand auslaufen.

Japan kann also auch mehr/Meer.